Sozial- / Soziotherapeutin und Familien- / Sozialberaterin

Viele Probleme der Menschen unserer Zeit, wie z. B. Konzentrationsprobleme, Unsicherheit, Angst, Kontaktschwierigkeiten, Beziehungsstörungen, Aggressivität, Isolation, Sucht, psychische Krankheit, Entwicklungsverzögerungen, sind auch Ergebnisse verarmter gedanklicher und besonders gefühlsmässiger Austauschprozesse. Eine Verbesserung des gedanklichen und gefühlsmäßigen Austausches könnte viele Probleme verringern oder gar verhindern.

Je breitgefächerter, intensiver und kontinuierlicher dieser Austausch stattfindet, umso besser ist die soziale Integration und der Halt, das Wohlbefinden und die Entwicklung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen.

Hier setzt die Sozial- / Soziotherapie und die Familien- / Sozialberatung an. Die Sozial- / Soziotherapeutin und die Familien- / Sozialberaterin soll Kinder, Jugendliche und Erwachsene befähigen, Gedanken und Gefühle auszudrücken und mit den wichtigsten Bezugspersonen auszutauschen. Außerdem soll die Sozial- / Soziotherapeutin und die Familien- / Sozialberaterin bei Paaren, in Familien, in pädagogischen bzw. sozialpädagogischen Einrichtungen, in Freizeitgruppen u. a. eine Atmosphäre für einen breitgefächerten, intensiven und kontinuierlichen kommunikativen Austausch schaffen. Deshalb bedarf die Sozial- / Soziotherapeutin und die Familien- / Sozialberaterin umfangreicher Kenntnisse und Fähigkeiten auf therapeutisch-pädagogischem sowie handwerklich-gestalterischem Gebiet

Darüber hinaus ist am 01.01.2000 ein Gesetz im SGB V § 37a Soziotherapie in Kraft getreten, wonach Soziotherapeuten Versicherte, die wegen schwerer psychischer Erkrankung nicht in der Lage sind, ärztliche oder ärztlich verordnete Leistungen selbständig in Anspruch zu nehmen, ambulant behandeln sollen. Diese Leistungen werden durch den Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen im § 92 näher ausgeführt. Außerdem wird im § 37a SGB V beschrieben, welche Voraussetzungen die Personen mitbringen müssen, die eine Kassenzulassung als Soziotherapeut zuerkannt haben wollen, wie z. B. Sozialarbeiter, Sozialpädagogen, Krankenpfleger mit Psychiatrieerfahrung etc. Eine abschließende Richtlinie ist bis heute noch nicht vom Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen verabschiedet worden. Natürlich gibt es bereits Empfehlungen, dass z. B. maximal 120 Stunden in einem Zeitraum von 3 Jahren je Krankheitsfall verschrieben werden dürfen. Verschreiben dürfen ausschließlich Psychiater und Neurologen.

Zielgruppe

Zur Zielgruppe des Lehrgangs gehören Personen mit einer abgeschlossenen Ausbildung als Sozialarbeiterin, Sozialpädagogin, Pädagogin, Psychologin, Soziologin, Sozialwissenschaftlerin, Erzieherin, Krankenpflegerin, Altenpflegerin und möglichst Berufserfahrung in der Betreuung von Klienten. Aber auch andere Berufsgruppen sind denkbar, insofern sie einen Bezug zum therapeutischen oder beraterischen Umfeld erkennen lassen.

Zugangsvoraussetzungen

Die Teilnehmerinnen sollten mindestens über einen mittleren Bildungsabschluss verfügen und möglichst eine mehrjährige berufliche Tätigkeit beispielsweise in der Betreuung von Klienten aufweisen. Die Zulassungs-voraussetzungen der Seminarteilnehmerinnen wird immer in einem Beratungsgespräch sowie, falls für notwendig erachtet, in einem Eignungstest festgestellt.

Prüfungen und Zusammenarbeit mit externen Stellen

Die Durchführung des Lehrgangs erfolgt in Kooperation mit der Agentur für Arbeit, den Jobcentern oder den optierenden Kommunen vor Ort aber auch mit anderen Kostenträgern wie z. B. dem drv-bund. Darüber hinaus gibt es seit vielen Jahren eine Kooperation mit der Regionalagentur Emscher-Lippe, dem Kreis Recklinghausen sowie der "Arbeitsgemeinschaft der Krankenhäuser im Vest Recklinghausen". Die Arbeitsgemeinschaft der Krankenhäuser im Vest Recklinghausen, insbesondere das Prosper Hospital, hat sich bereit erklärt, Praktikantenplätze in Krankenhäusern im Kreis Recklinghausen zur Verfügung zu stellen. Die Barmer Ersatzkasse leistet eine fachliche Begleitung im Rahmen der Kassenzulassung der LehrgangsteilnehmerInnen. Der Lehrgang endet mit einer internen Abschlussprüfung. Alle Teilnehmerinnen erhalten ein qualifiziertes, benotetes Zeugnis vom Lehrgangsträger bzw. bei Nicht-Bestehen der Prüfungen eine Teilnahmebescheinigung mit den vermittelten Inhalten. Damit wir auch in der Lage sind die o. g. Prozesse und Zusagen einhalten zu können, haben wir uns durch die DEKRA Certification GmbH nach QM Pur und AZAV als Träger wie auch unsere Maßnahmen, u. a. auch diese Maßnahme, nach AZAV zertifizieren lassen.

Erfahrungen mit den Vormaßnahmen

Die Maßnahmen (bisher insgesamt 14), die bisher bei uns gelaufen sind, haben eine überdurchschnittliche Integration in den Arbeitsmarkt bewirkt und zwar im ersten Kurs 88 % und beim zweiten Kurs sogar 92 % danach ca. 70 – 85 %. Das bedeutet, dass vom ersten Kurs 13 Teilnehmerinnen in Arbeit oder Selbstständigkeit sind und vom zweiten Kurs sogar 14 Teilnehmerinnen. Die Maßnahme hat auch gezeigt, dass in unterschiedlichsten Einrichtungen ein starkes Interesse an Arbeitskräften besteht, die eine Ausbildung genossen haben, die im therapeutischen wie im sozial-beratenden Bereich sehr weit gefächert ist. Dies ist bei den bei uns ausgebildeten Personen eindeutig der Fall.

Gender Mainstream

Wir haben schon immer darauf geachtet, dass die Belange der Frauen und Männer gleich respektiert und beachtet werden. Demzufolge haben wir sowohl einige Projekte für Frauen wie auch für Männer angeboten. Diese Maßnahme richtet sich an Berufsrückkehrerinnen ebenso wie an Frauen aus dem sozialen beruflichen Alltag die momentan arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht sind, ihre Kenntnisse und Erfahrungen explizit erweitern wollen, um dann im Anschluss ihre neu erworbenen Fähigkeiten im Arbeitsalltag auszutesten. Dies kann sowohl eine Integration in den ersten Arbeitsmarkt wie ein Weg in die Selbstständigkeit sein.

Maßnahmeziel und Konzeption

Die berufliche Qualifizierung zur Sozial-/Soziotherapeutin und Familien- / Sozialberaterin vermittelt den Teilnehmerinnen alle notwendigen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Bewältigung der berufsüblichen Aufgabenstellungen. Zu den Aufgaben der Sozial- / Soziotherapeutin und Sozial- / Familienberaterin gehören unter anderem die Analyse der rationalen und besonders der emotionalen Austauschprozesse mit dem Ziel, sie zu verbessern und zu intensivieren. Weiterhin arbeiten sie Charakteristika von Persönlichkeitsstrukturen, Persönlichkeitsstörungen, psychischen Erkrankungen und Behinderungen heraus, auf deren Basis eine Förderstrategie für den einzelnen entwickelt wird. Dabei müssen sie sich über ihre eigenen Persönlichkeitsstrukturen bewußt sein, um die Übertragungs- und Gegenübertragungsprozesse in der Interaktion mit den Klienten zu erkennen und zu steuern. Neben der Kenntnis kommunikativer Abläufe im Einzelgespräch mit den Klienten müssen die Sozial- / Soziotherapeutin und die Familien- / Sozialberaterin Gruppenstrukturen erkennen und die Gesetzmäßigkeiten von Gruppenprozessen aufdecken können, um die Austauschprozesse in der Gruppe und die dafür notwendige positive Atmosphäre beeinflussen zu können.

In diesem Zusammenhang ist eine Reflexion des eigenen Führungsverhaltens zwingend erforderlich. Nur so kann die Sozial- / Soziotherapeutin und die Familien- / Sozialberaterin einen der Gruppe und den Zielen der Sozial- / Soziotherapie und Familien- /sozialberaterin angemessenen Führungsstil entwickeln. Sozial- / Soziotherapeuten und Familien- / Sozialberaterinnen können in einem breiten Spektrum eingesetzt werden. Sie können in Erwachsenenbildungseinrichtungen, Einrichtungen der Jugendarbeit, Übungswerkstätten, Jugendwerkstätten, Einrichtungen der Suchttherapie, Kliniken, Behinderteneinrichtungen, Einrichtungen der Altenhilfe, Förderschulen, Kinder- und Jugendberatungsstellen, Strafvollzug, Sozialämter, Reha-Einrichtungen und nicht zuletzt, mit Kassenzulassung, in der ambulanten Versorgung chronisch psychisch kranker Menschen arbeiten. Aufgrund der hohen Anforderungen an die persönliche und soziale Kompetenz richtet sich die berufliche Qualifizierung zur Sozial-/Soziotherapeutin und Familien- / Sozialberaterin an Teilnehmerinnen mit einer abgeschlossenen Ausbildung als Sozialarbeiterin, Sozialpädagogin, Pädagogin, Psychologin, Soziologin, Sozialwissenschaftlerin, Erzieherin, Krankenpflegerin mit Berufserfahrung in der Betreuung von Klienten.

Die Maßnahme dauert insgesamt 7,5 Monate. Davon sind 6 Monate theoretisch-praktischer Unterricht und 6 Wochen betreutes / supervidiertes Praktikum in relevanten Einrichtungen. Da die Seminarteilnehmerinnen im Vorfeld nicht immer einschätzen können, ob sie nach der Weiterbildung therapeutisch oder sozial-beraterisch tätig sein wollen / können, bilden wir die Seminarteilnehmerinnen integrativ aus. Das hat noch zwei weitere Vorteile, die Seminarteilnehmerinnen können sich breitgefächerter auf dem Arbeitsmarkt bewerben und sie lernen die Gradwanderung zwischen Therapie und Beratung kennen. Aufgrund der Vorerfahrungen mit vorangegengenen Maßnahmen gehen wir davon aus, dass wir eine Integrationsquote von mindestens 65-70 % erreichen werden. Um die Nachhaltigkeit zu sichern, sind wir allen Teilnehmerinnen auch nach der Maßnahme noch mindestens 3 – 6 Monate bei der Suche nach Arbeit oder bei der Hilfe in die Selbstständigkeit (Unternehmensberatung) behilflich. Diese Hilfe ist während der Maßnahme bei uns obligatorisch. Außerdem sind wir nach QM Pur und AZAV als Träger und unsere Maßnahmen, auch diese Maßnahme, zertifiziert, um ein Höchstmaß an Verbindlichkeit und Prozessgenauigkeit sowie Nachhaltigkeit garantieren und umsetzen zu können.

Insgesamt werden 1.312 Unterrichtsstunden erteilt. Diese Stundenzahl setzt sich auch zu ungefähr 40% aus Kleingruppenarbeit zusammen, wo ein Co-Therapeut/Co-Honorardozent die Kleingruppen mitbetreut um ein hohes Maß an praktisch-therapeutischem Fachwissen zu vermitteln. Selbst die BA hat in Ihrem Schreiben vom 26.11.2012 zum Ausdruck gebracht: „Die Durchführung in einigen Teilen der Maßnahme in Form von Kleingruppen ist nachvollziehbar.“ Das optionale Praktikum umfaßt 240 Zeitstunden. Die Arbeitszeiten richten sich nach den betriebsüblichen Gegebenheiten. 

Zeitlicher Ablauf

Die Unterrichtszeiten liegen montags bis freitags zwischen 8:00 und 15:00 Uhr.

Im Verlauf der Maßnahme werden zur Leistungsüberprüfung Klausuren, Tests und/oder Präsentationen eingesetzt. Die Abschlussprüfungen finden als praktisch-therapeutische Übungen statt, um die Fähigkeiten der einzelnen TeilnehmerInnen im therapeutischen Handeln zu bewerten. Die Ergebnisse der Leistungsüberprüfungen, die mündlichen Noten sowie die individuelle therapeutische Entwicklung werden zur Notenfindung für das Abschlusszeugnis herangezogen. Außerdem muss jeder Seminarteilnehmer eine Abschlussarbeit erstellen. Am Ende des Lehrgangs erhält jede Seminarteilnehmerin ein Abschlusszeugnis, das detailliert über Inhalt und Ablauf der Maßnahme Auskunft gibt, bzw. bei Nicht-Bestehen der Prüfungen eine Teilnahmebescheinigung mit den vermittelten Inhalten.

Lehrinhalte
Theoretische Grundlagen

(Psychologie, Tiefenpsychologie, Psychoanalyse, Verhaltenstherapie, Gestalttherapie, Gesprächstherapie, NLP, systemische Familientherapie, Psychodrama, Psychodiagnostik, Allgemeine Krankheitslehre, Psychosomatik, Psychiatrie, Neurologie, BWL, VWL, Berufskunde, Rhetorik, Marketing, EDV-Anwendung) Kreativtechniken für den nonverbalen Umgang mit dem Klienten (Arbeiten mit Ton/Speckstein, Bildnerisches Gestalten) Praktisch-therapeutische Unterweisungen (Gestaltungstherapie, Gesprächstherapie, Verhaltenstherapie, systemische Familientherapie, Therapatogenes Training)

Betriebliche Unterweisung (Praktikum 6 Wochen)
Theoretische Grundlagen

Psychologie 32 Ustd. Verhaltenstherapie 32 Ustd. Gestalttherapie / -beratung 32 Ustd. Gesprächstherapie / -beratung 32 Ustd. systemische Familientherapie / -beratung 32 Ustd. Psychodiagnostik 56 Ustd. Psychiatrie / Psychosomatik 32 Ustd. Rhetorik / Kommunikation 32 Ustd. Praktisch-therapeutische Unterweisungen Gestalttherapie / -beratung 160 Ustd. Kleingruppenarbeit Gestalttherapie 72 Ustd. Gesprächstherapie / -beratung 160 Ustd. Kleingruppenarbeit Gesprächstherapie 72 Ustd. Verhaltenstherapie / -beratung 160 Ustd. Kleingruppenarbeit Verhaltenstherapie 72 Ustd. Systemische Familientherapie / -beratung 160 Ustd. Kleingruppenarbeit systhemische Familientherapie 72 Ustd. Gruppendynamik 32 Ustd. Genogrammarbeit u. Strukturaufstellung 72 Ustd.

Theorie gesamt  1.312 Ustd.
Betriebliche Unterweisung

Praktikum 6 Wochen (optional) 240 Zeitstunden

Supervision (innerhalb d. Prak.) 48 Ustd.

Praktikum gesamt

240 Ustd. Gesamt 1.552 Ustd.

Den Kurs können Sie Hier als Flyer herunterladen